|
„Do hot olls gstumm“, brachte eine Frau im Südtiroler Nationalsender, Sparte Hörfunk, den nationalen Appell der Alpini in congedo auf den Punkt. Die Megaversammlung übers Wochenende vom 11. bis 13. Mai entpuppte sich als attraktives Fest unter wohlgewollter Patronage der Eisheiligen Mamertus, Pankratius und Servatius. Das sonst eher als frostig bekanntes Trio hatte mit den ergrauten Häuptern und den gewölbten Bäuchen ein Einsehen, genauso wie es in den folgenden zwei Tagen Bonifatius und die kalte Sophie mit den Saubermachertrupps hatten. Von der legendären Strenge konnte bei Temperaturen von 10 Grad plus schon vormittags in der Tat die Rede nicht gehen.
Die „Adunata“ fand im Aufmarsch am Sonntag ihr hehres Ablassventil und damit auch den geplanten Höhepunkt kameradschaftlicher Offenbarung. Zwölf Stunden lang dauerte das Spektakel. Zwischen 80.000 und 100.000 „Veci“ sollen es gewesen sein, die sich in lockerer Formation und gemessenen Schrittes an der Ehrentribüne unterm Mussolinirelief vorbei zum Auflösungspunkt am Mazzini-Platz wälzten.
Als letztes Glied der Riesenschlange trafen die waffenrocklosen Soldaten der Sektion Bolzano/Bulsan/Bozen am Endpunkt ein. Die Zeiger standen auf 21 Uhr. Sie war es, die ANA Bozen, die um die Ausrichtung des nationalen Treffens nachgesucht hatte. Sie bekam sie denn auch zugesprochen, nachdem der ursprüngliche Widerstand politischerseits aufs Abstellgleis verschoben werden konnte. Mittlerweile kam der patriotisch besetzte Heimatzug von Frau Eva und Herrn Sven allerdings wieder mächtig in Fahrt. Der Doppelkopf der Süd-Tiroler Freiheit stellte die Vereinnahmung Südtirols durch die Alpini-Veteranen im Nachhinein dezidiert fest. Als untrüglichen Beweis hierfür führte Frau Eva die ANAtische Bekränzigung des Kapuziner-Wastels in Bruneck ins Feld.
Die ANA-Sektion der Provinz Bozen stand zusammen mit der „Gigi“-Gemeinde zweifellos ihren Mann. Tadellos die Organisation. Fröhlich der Festverlauf. Weder Pannen noch Schrammen. Äußerst nützlich und wertvoll war die Unterstützung seitens des Zivilschutzes, des Alpini-Truppenkommandos sowie der Polizeikräfte und der Heerschar an freiwilligen Helfern. Allein beim Umzug am Sonntag standen an die 1.500 Diener in selbstlosem Einsatz. Davon einmal abgesehen, galt es während der drei Tage zudem, ein Bataillon von Menschen in den Gemeinschaftseinrichtungen zu füttern und weich zu betten. Andere waren Selbstversorger. Wiederum andere verkrochen sich in den Hotels und Pensionen. Selbst gastgewerbliche Betriebe im Hochpustertal waren vom Samstag auf Sonntag als Bettenanbieter gefragt.
„Do hot olls gstumm!“ Wirklich olls? Nein! Nicht bei den Medien. Sie haben viele Böcke geschossen. Den Größten, einen prachtvollen Sechser, erlegte wohl Toni Ebner mit seinem Voraus-Resümee. Der bewährte Jäger schrieb am Freitag für die Samstagausgabe seiner Zeitung einen Aufsatz, in dem er zum Alpinitreffen unter anderem sagte: „ ...die Befürchtung, dass unser Land ‚sacra terra italiana’ ist, trat nicht ein“. Als Ebner diesen „Offenen Brief“ oder „Leitartikel“, er selbst war sich der Einordnung offensichtlich unsicher, verfasste, waren die Alpini in der Stadt noch sehr spärlich gesät. Der Tanz ging erst am Samstag so richtig los und erreichte am Sonntag im Aufmarsch seinen Höhepunkt. Aber für Ebner war schon alles gesagt. Des Ereignisses bedurfte es nicht mehr. Irgendwie in die Fußstapfen des Chefredakteurs dles Dolomites war Florian Kronbichler mit seinem Sonntagskommentar im Corriere dell’Alto Adige getreten. Auch er glaubte, den Löffel vor der Suppe schlucken zu müssen.
Hätte Toni Ebner sich etwas mehr in Geduld geübt, hätte er vielleicht auch den Satz aufgefangen: „Laddove si parla italiano, ivi è Italia!“ Ob sein „Offener Brief“ damit eine andere Wende genommen hätte? Eines Voraus-Resümees möchte ich mich enthalten.
Willy Pöder
|